Schweißkoordinator nach ISO 14731: Pflichten, Qualifikation und Nachweis
Der Schweißkoordinator ist eine der wichtigsten Anforderungen in der EN 1090-Zertifizierung. Dieser Leitfaden erklärt alle Qualifikationsstufen, Aufgaben und Dokumentationspflichten.
1. Was ist die Schweißaufsicht nach ISO 14731?
ISO 14731 „Schweißaufsicht — Aufgaben und Verantwortlichkeiten“ definiert die Anforderungen an Personen, die Schweißaufgaben in der Produktion beaufsichtigen. In der EN 1090-Zertifizierung ist der Schweißkoordinator (auch Schweißaufsicht genannt) eine Pflichtfunktion — ab Ausführungsklasse EXC2.
2. Qualifikationsstufen der Schweißaufsicht
EN 1090-2:2018 nennt in Abschnitt 7.4.3 und den Tabellen 14 und 15 ausschließlich die technischen Kenntnisstufen B (Basis), S (spezifisch) und C (umfassend) nach EN ISO 14731; die Zuordnung dieser Stufen zu den Abschlüssen IWS, IWT und IWE ist verbreitete Fachpraxis, aber kein Normtext.
3. Ab wann ist eine Schweißaufsicht Pflicht?
| Ausführungsklasse | Koordination nach EN ISO 14731? | Technische Kenntnisstufe (EN 1090-2 Tab. 14) |
|---|---|---|
| EXC1 | Nein — stattdessen ausreichende Aufsicht während der Ausführung nach EN ISO 3834-4 (Abschnitt 7.4.3) | — |
| EXC2 | Ja | S235 bis S355: B (t ≤ 25 mm), S (25 < t ≤ 50 mm), C (t > 50 mm; bis S275 genügt S) · S420 bis S700: S (t ≤ 25 mm), C (25 < t ≤ 50 mm; für die Stahlsorten N, NL, M und ML genügt S), C (t > 50 mm) |
| EXC3 | Ja | S235 bis S355: S (t ≤ 25 mm), sonst C · S420 bis S700: durchgängig C |
| EXC4 | Ja | C in allen Stahlsorten und Dicken |
Kenntnisstufen nach EN 1090-2:2018, Abschnitt 7.4.3 mit Tabelle 14 (Baustahl) und Tabelle 15 (nichtrostender Stahl). Die Stufe hängt von Ausführungsklasse, Stahlsorte und Erzeugnisdicke ab, nicht von der Ausführungsklasse allein. Fußnoten a und b der Tabelle 14: für Stützenfußplatten und Stirnbleche gilt die Spalte t ≤ 25 mm bis 50 mm und die Spalte 25 < t ≤ 50 mm bis 75 mm. Nach EN 1090-2:2018+A1:2024 (Fußnote zu Tabelle 14) muss die technische Kenntnis der Schweißaufsicht für hochfeste Stähle (HSS, Mindeststreckgrenze über 460 MPa im thermomechanisch gewalzten oder vergüteten Zustand nach Abschnitt 3.16) der Stufe C nach EN ISO 14731 entsprechen.
4. Aufgaben des Schweißkoordinators im Betrieb
Nach ISO 14731 umfassen die typischen Aufgaben:
- Prüfung und Freigabe von WPS (Schweißanweisungen)
- Überwachung der Schweißarbeiten und Qualifikation der Schweißer
- Prüfplanung und Dokumentation der ZfP-Ergebnisse
- Pflege und Aktualisierung des WPK-Handbuchs
- Ansprechpartner für die notifizierte Stelle bei Audits
- Freigabe von Materialien und Kontrollmaßnahmen
5. Was passiert wenn die Schweißaufsicht nicht nachgewiesen wird?
Fehlt der Nachweis einer qualifizierten Schweißaufsicht beim Überwachungsaudit, ist dies ein schwerwiegender Mangelbefund — in der Regel Kategorie „Major“. Dies kann zu einem Nachaudit führen und im schlimmsten Fall zur Aussetzung des EN 1090-Zertifikats.
6. Wechsel des Schweißkoordinators — Was ändert sich?
Bei Wechsel des Schweißkoordinators muss das WPK-Handbuch umgehend aktualisiert werden: Name, neue Qualifikation, Datum des Wechsels. Zusätzlich muss die notifizierte Stelle über den Wechsel informiert werden — manche Zertifizierungsstellen fordern eine Zwischenbegehung.
7. Externe Schweißaufsicht: was der Betrieb regeln muss
Nicht jeder Betrieb beschäftigt eine eigene Schweißfachkraft; die Schweißaufsicht wird dann von außen beauftragt. Die Verantwortung wandert damit nicht mit: Nach ISO 14731:2019, Abschnitt 4.2 liegt die Schweißkoordination allein in der Verantwortung des Herstellers. Festzulegen sind nach Abschnitt 5.3 die Stellung der Schweißaufsicht in der Organisation, der Umfang ihrer Befugnisse und ihre Unterschriftsbefugnis; verschiedene Aufgaben dürfen verschiedenen Personen übertragen werden (Abschnitt 3.3, Anmerkung 1).
Für die Zertifizierung nach DIN EN 1090 verlangt das DVS-Merkblatt 1711 (08/2016, Abschnitt 2.3.4.1), dass die Schweißaufsichtsperson die Aufgaben nach ISO 14731 wahrnimmt und von der Geschäftsleitung schriftlich benannt ist; die schriftliche Benennung kann entfallen, wenn Schweißaufsicht und Geschäftsleitung dieselbe Person sind. Nach DVS 1704 (04/2024, Abschnitt 4.2) stehen die verantwortliche Schweißaufsicht und, sofern vorhanden, ihr Vertreter namentlich auf dem Schweißzertifikat. Unter welchen Bedingungen eine externe Person diese Rolle übernehmen kann — etwa zu Verfügbarkeit, Anwesenheit in der Fertigung und Nachweis ihrer Tätigkeit —, klären Sie vor der Beauftragung mit Ihrer Zertifizierungsstelle.
Ist die Schweißaufsicht nicht täglich im Betrieb, lohnt ein gemeinsamer Blick auf die Termine, die der Betrieb einhalten muss — vom Schweißzertifikat bis zum DVS-Personenzertifikat: Ablauftermine mit dem Zertifikats-Fristen-Radar berechnen.
8. Wie AuditReady bei der Schweißkoordinator-Dokumentation hilft
AuditReady speichert den Schweißkoordinator mit Name, Qualifikationsnachweis und Gültigkeitsdatum. Bei einem Wechsel wird das System automatisch aktualisiert und der Gap-Analyse-Bericht angepasst. Die Qualifikationsprüfung nach Ausführungsklasse erfolgt automatisch — wenn die Qualifikation nicht ausreicht, zeigt die Gap-Analyse den Mangel sofort an.