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Audit 10 Minuten Lesezeit

Das EN 1090-Überwachungsaudit: Ablauf, Prüfpunkte und Vorbereitung

Das wiederkehrende Überwachungsaudit entscheidet über den Fortbestand Ihrer EN 1090-Zertifizierung. Wer weiss, was geprüft wird, kann sich gezielt vorbereiten — und teure Nachaudits vermeiden.

1. Was ist das Überwachungsaudit und wann findet es statt?

Das Überwachungsaudit (auch: Surveillance Audit, Wiederholungsaudit) ist die wiederkehrende Prüfung Ihres WPK-Systems durch die notifizierte Stelle. Es ist Bestandteil des Konformitätsnachweisverfahrens System 2+ nach EN 1090-1 und zwingend für den Fortbestand der CE-Kennzeichnung. Die Abstände sind nicht pauschal jährlich: EN 1090-1 Tabelle B.3 staffelt sie (1-2-3-3 Jahre für EXC1/EXC2, 1-1-2-3-3 für EXC3/EXC4). Tritt im Betrieb einer der vier Fälle aus DIN EN 1090-1:2012-02 Anhang B.4.1 ein — etwa ein Wechsel der verantwortlichen Schweißaufsicht oder die Einführung neuer Schweißprozesse und Basiswerkstoffe —, gilt die verlängerte Staffel der Tabelle B.3 nicht mehr (B.4.2).

Üblich ist eine Ankündigungsfrist von 2-4 Wochen. Manche Zertifizierungsstellen führen auch unangekündigte Audits durch — vor allem nach vorangegangenen Mängeln.

2. Welche Zertifizierungsstellen führen Überwachungsaudits durch?

TÜV SÜD
TÜV Rheinland
DNV
SLV
Metall-Zert
ZDH-Zert

3. Die 8 Hauptprüfpunkte des Überwachungsaudits

1
WPK-Handbuch
Ist das Handbuch vollständig, aktuell und entspricht es EN 1090-1 Abschnitt 6?
2
Schweisskoordinator
Ist eine qualifizierte Schweissaufsicht nach ISO 14731 dokumentiert und anwesend?
3
Schweisserzeugnisse
Sind alle ISO 9606-1 Schweisserzeugnisse gültig (nicht abgelaufen)?
4
WPS-Abdeckung
Decken aktuelle WPS und WPQR alle eingesetzten Verfahren, Werkstoffe und Positionen ab?
5
Materialnachweise
Sind die Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 für alle tragenden Werkstoffe archiviert — in der Art, die EN 1090-2:2018 Tabelle 1 verlangt (Baustahl bis einschließlich S275 Typ 2.2, über S275 Typ 3.1; nach Fußnote a Typ 3.1 bei festgelegter Mindeststreckgrenze 275 MPa, wenn zusätzlich eine Kerbschlagarbeit festgelegt ist, die unter 0 °C geprüft wird, etwa S275J2 oder S275N)?
6
ZfP-Dokumentation
Sind Prüfplanung und Prüfergebnisse (VT, MT, UT, RT) vollständig dokumentiert?
7
Ausrüstungsnachweise
Kalibrierung und Wartung der Schweissanlagen — aktuell und dokumentiert?
8
Änderungsprotokoll
Wurden wesentliche Änderungen im WPK-System protokolliert und an die notifizierte Stelle gemeldet?

4. Die häufigsten Mangelbefunde

Basierend auf öffentlichen Informationen von Zertifizierungsstellen sind die häufigsten Mängel bei EN 1090-Überwachungsaudits:

  • Abgelaufene ISO 9606-1 Schweisserzeugnisse (häufigster Befund)
  • WPK-Handbuch nicht aktualisiert (z.B. nach Personalwechsel)
  • WPS-Lücken: Eingesetzte Verfahren ohne gültige WPQR-Deckung
  • Fehlende oder unvollständige Materialnachweise (EN 10204)
  • ZfP-Dokumentation unvollständig oder nicht nachvollziehbar
  • Ausrüstungskalibrierung überfällig

5. Nachaudit: Was passiert bei Mängeln?

Mängel werden nach Schweregrad kategorisiert. Minor-Mängel müssen innerhalb einer gesetzten Frist korrigiert und nachgewiesen werden. Bei Major-Mängeln (z.B. fehlende Schweissaufsicht) wird ein Nachaudit angesetzt. Im schlimmsten Fall — bei mehreren oder kritischen Mängeln — kann das Zertifikat ausgesetzt werden.

6. Checkliste: 4 Wochen vor dem Audit

4-Wochen-Vorbereitung

WPK-Handbuch prüfen: Ist alles aktuell? Schweisskoordinator, Schweisser, WPS-Liste
Alle ISO 9606-1 Zeugnisse kontrollieren: Gibt es abgelaufene?
WPS-Abdeckungscheck: Decken WPQR alle aktuell verwendeten Verfahren ab?
Materialnachweise-Archiv prüfen: Sind alle EN-10204-Zeugnisse der letzten 12 Monate auffindbar, je Werkstoff in der Art nach EN 1090-2 Tabelle 1 (bis S275 Typ 2.2, darüber Typ 3.1; nach Fußnote a Typ 3.1 bei festgelegter Mindeststreckgrenze 275 MPa, wenn zusätzlich eine Kerbschlagarbeit festgelegt ist, die unter 0 °C geprüft wird, etwa S275J2/N)?
ZfP-Unterlagen zusammenstellen: Sichtprüfungs- und NDT-Protokolle der letzten Aufträge
Ausrüstungskalibrierung prüfen: Kalibrierungsintervalle der Schweissanlagen eingehalten?
Etwaige Änderungen aus dem letzten Jahr dokumentieren und Meldepflicht prüfen
Audit-Paket vorbereiten: Alle Dokumente in strukturierter Reihenfolge bereitstellen

7. Wie lange gilt das EN-1090-Zertifikat?

Das Zertifikat über die werkseigene Produktionskontrolle ist kein Dokument, das nach einer festen Frist von allein erlischt und danach neu beantragt wird. Es bleibt gültig, solange zwei Dinge zutreffen: Ihr WPK-System erfüllt weiterhin die Anforderungen, und die Überwachung durch die notifizierte Stelle läuft ohne Unterbrechung weiter. Die Abstände dieser Überwachungen hängen von der Ausführungsklasse ab — die Staffel dazu steht weiter oben auf dieser Seite.

Verstreicht ein Überwachungstermin oder bleiben Abweichungen aus dem letzten Audit offen, entscheidet allein die Zertifizierungsstelle über die Folgen. Üblich sind ein Nachaudit, eine Nachweisführung mit Frist und — wenn nichts nachkommt — das Ruhen oder die Rücknahme des Zertifikats. Was genau in welcher Reihenfolge passiert, steht im Zertifizierungsvertrag Ihrer Stelle; wir können es Ihnen weder zusagen noch abnehmen.

Eine Pflicht läuft dabei unabhängig vom Audit-Termin jedes Jahr: Beträgt der vorgesehene Abstand zwischen zwei Inspektionen zwei oder drei Jahre, hat der Hersteller nach DIN EN 1090-1:2012-02 Anhang B.4.3 jedes Jahr zu erklären, dass keiner der vier Fälle aus B.4.1 eingetreten ist: a) neue Produktionsanlagen oder Veränderungen an wesentlichen Produktionsanlagen, b) Wechsel der verantwortlichen Schweißaufsicht, c) Einführung neuer Schweißprozesse, neuer Basiswerkstoffe und der damit verbundenen WPQR, d) neue wesentliche Produktionseinrichtungen. Tritt einer dieser Fälle ein, gilt die verlängerte Staffel der Tabelle B.3 nicht mehr (DIN EN 1090-1:2012-02, B.4.2).

Praktisch heißt das: Zwischen zwei Terminen läuft die Nachweispflicht ununterbrochen weiter. Schweißerprüfbescheinigungen müssen fristgerecht verlängert, Kalibrierungen fortgeschrieben, Schweißanweisungen bei neuen Verfahren oder Werkstoffen ergänzt und Materialnachweise weiterhin zugeordnet werden. Ein Zertifikat belegt den Stand zum Zeitpunkt der Überwachung — nicht den Zustand, den Ihr Betrieb heute hat.

Was in dieser Zeit konkret zu pflegen ist, beschreibt der Beitrag WPK zwischen zwei Überwachungsaudits.

8. Überwachungsaudit auf Englisch: die Begriffe im Bauvertrag

Sobald ein ausländischer Auftraggeber im Spiel ist, stehen dieselben Nachweise unter englischen Namen im Vertrag. Diese vier Begriffspaare decken den Großteil davon ab:

DeutschEnglisch
Überwachungsauditsurveillance audit
werkseigene Produktionskontrollefactory production control (FPC)
Leistungserklärungdeclaration of performance (DoP)
Ausführungsklasseexecution class (EXC)

Begegnen werden Ihnen die englischen Formen vor allem an drei Stellen: in Bestellungen und Rahmenverträgen internationaler Auftraggeber, auf Zertifikaten, die zweisprachig ausgestellt sind, und in den englischen Fassungen der Normen. FPC und EXC stehen dort meist ohne Erläuterung. DoP dagegen ist kein Begriff der EN 1090-1: DIN EN 1090-1:2012-02 spricht in Anhang ZA von der „Konformitätserklärung“, weil diese Fassung noch auf der Bauproduktenrichtlinie 89/106/EWG beruht. Die Bezeichnung „Leistungserklärung / declaration of performance“ stammt aus der Bauprodukten-Verordnung (EU) Nr. 305/2011, die die Richtlinie abgelöst hat — ausgestellt wird heute die DoP.

9. Wie AuditReady die Audit-Vorbereitung automatisiert

AuditReady hält das WPK-System ganzjährig aktuell — und generiert das vollständige Audit-Paket auf Knopfdruck. Statt wochenlanger manueller Vorbereitung: Ein Klick, druckfertiges Paket, bereit für TÜV, DNV, SLV oder Metall-Zert. Die Gap-Analyse zeigt kontinuierlich, wo Handlungsbedarf besteht — lange vor dem Audit.

Wie Vorbereitung, Erstinspektion und Überwachung zusammenhängen, zeigt der kostenlose EN 1090 Zertifizierungsfahrplan (PDF).