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Dokumentation 7 Minuten Lesezeit

WPK-Handbuch: Aufbau und Inhalt

Wie sich das Dokument der werkseigenen Produktionskontrolle nach DIN EN 1090-1:2012-02 gliedert, welche Inhalte aus EN 1090-2:2018 hineingehören und wann es fortzuschreiben ist.

1. WPK-Handbuch und WPK-Systembeschreibung

DIN EN 1090-1 spricht nicht von einem Handbuch, sondern von der „WPK-Systembeschreibung“ (Abschnitte 6.3.1 und 6.3.2). „WPK-Handbuch“ ist der in Betrieben übliche Name für dieses Dokument. Nach Abschnitt 6.3.1 muss der Hersteller ein System der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) einrichten, dokumentieren und aufrechterhalten; die Systembeschreibung legt unter anderem fest, wie lange Prüfergebnisse und Maßnahmen bei Nichteinhaltung aufbewahrt werden.

Ein WPK-System, das EN ISO 9001 entspricht und an die Anforderungen der EN 1090-1 angepasst wurde, gilt nach Abschnitt 6.3.1 als ausreichend. Die Anmerkung dazu stellt klar, dass es nicht unbedingt EN ISO 9001 entsprechen muss.

2. Gliederung nach den Abschnitten 6.3.1 bis 6.3.8

Abschnitt 6.3 benennt die Elemente, die das WPK-System abdecken muss. Entlang dieser Unterabschnitte lässt sich das Handbuch gliedern:

6.3.1
Allgemeines
WPK-System einrichten, dokumentieren und aufrechterhalten: schriftliche Verfahrensanweisungen, regelmäßige Kontrollen und Prüfungen sowie die daraus folgenden Maßnahmen für Konstruktionsmaterialien, Betriebsausrüstung, Produktionsprozess und Bauteile. Ergebnisse der Überprüfungen und Maßnahmen bei Nichteinhaltung dokumentieren und für die in der WPK-Systembeschreibung angegebene Dauer aufbewahren.
6.3.2
Personal
Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Zusammenspiel des Personals, dessen Arbeit die Konformität beeinflusst; Qualifikation und Weiterbildung in Bezug auf die Bauteile und die Ausführungsklassen.
6.3.3
Einrichtung
Prüfeinrichtungen kalibrieren und regelmäßig überprüfen, Produktionsausrüstung nach schriftlichen Verfahren überprüfen und warten, beides mit Aufzeichnungen.
6.3.4
Bemessung
Sofern der Hersteller selbst bemisst: Übereinstimmung mit den Entwurfsvorgaben, Verfahren zur Prüfung der Berechnungen und zur Überprüfung der Verantwortlichen.
6.3.5
Konstruktionsmaterialien
Überwachungssystem für die Übereinstimmung mit den Spezifikationen, einschließlich der Rückverfolgung ihrer Verwendung im Bauteil; Rückverfolgbarkeit nach EN 1090-2 bzw. EN 1090-3, abhängig von der Ausführungsklasse.
6.3.6
Bauteilspezifikation
Steuerung der Herstellung über eine Bauteilspezifikation mit Angabe der geltenden Ausführungsklasse sowie ein Überwachungs- und Prüfplan.
6.3.7
Produktbewertung
Verfahren, mit denen die erklärten Werte und Klassen eingehalten werden; Umfang nach Tabelle 2.
6.3.8
Nichtkonforme Produkte
Schriftliche Festlegungen zum Umgang mit nichtkonformen Produkten, deren Dokumentation und Aufbewahrung.

3. Inhalte aus EN 1090-2 für die Schweißfertigung

Wer schweißt, führt im Handbuch zusätzlich die Nachweise zu den Anforderungen aus EN 1090-2:2018:

  • Qualitätsanforderungen an das Schweißen: der Teil von EN ISO 3834 je Ausführungsklasse — EXC1 EN ISO 3834-4, EXC2 EN ISO 3834-3, EXC3 und EXC4 EN ISO 3834-2 (Abschnitt 7.1).
  • Schweißaufsicht: für EXC2 bis EXC4 eine Schweißkoordination nach EN ISO 14731 mit der Kenntnisstufe nach den Tabellen 14 und 15 (Abschnitt 7.4.3).
  • Schweißer und Bediener: Qualifikation nach EN ISO 9606-1 bzw. EN ISO 14732, Nachweise verfügbar (Abschnitt 7.4.2.1).
  • Schweißverfahren: Qualifizierung nach den Wegen aus Tabelle 12 — für EXC2 alle dort genannten, für EXC3 und EXC4 ohne EN ISO 15611 und EN ISO 15610 und mit EN ISO 15612 nur, wenn die Ausführungsspezifikation es erlaubt; Verfahrensprüfungen nach EN ISO 15614-1:2017 auf Level 2.
  • ZfP-Personal: zerstörungsfreie Prüfungen außer der Sichtprüfung durch Personal, das nach EN ISO 9712 qualifiziert ist (Abschnitt 12.4.1).

Wie sich diese Anforderungen von Klasse zu Klasse unterscheiden, zeigt der Beitrag WPK je Ausführungsklasse.

4. Wann das Handbuch fortzuschreiben ist — und wer zuständig ist

Zwei Stellen der DIN EN 1090-1 benennen Änderungen im Betrieb, an die die Norm Folgen für die Konformitätsbewertung knüpft. Sie sind die naheliegenden Anlässe, das Handbuch fortzuschreiben.

Die Erstprüfung ist nach Abschnitt 6.2.1 durchzuführen

  • 1) bei Aufnahme der Produktion eines neuen Bauteils oder bei neuen Konstruktionsmaterialien, sofern es kein Produkt derselben Familie ist,
  • 2) bei einem neuen oder geänderten Fertigungsverfahren, das eine der zu bewertenden Eigenschaften beeinflussen könnte,
  • 3) bei Umstellung der Produktion auf eine höhere Ausführungsklasse.

Die Überwachungsabstände nach Tabelle B.3 gelten nach Anhang B.4.2 nur, sofern keiner der folgenden Fälle aus B.4.1 eintritt:

  • a) neue Produktionsanlagen oder Veränderungen an wesentlichen Produktionsanlagen,
  • b) Wechsel der verantwortlichen Schweißaufsicht,
  • c) Einführung neuer Schweißprozesse, neuer Basiswerkstoffe und damit verbundener WPQR,
  • d) neue wesentliche Produktionseinrichtungen.
Zwei Stellen der DIN EN 1090‑1 benennen Änderungen im Betrieb
Die naheliegenden Anlässe, das WPK-Handbuch fortzuschreiben — Wortlaut in Abschnitt 4 des Beitrags „WPK-Handbuch: Aufbau und Inhalt“.
Was hat sich im Betrieb geändert?Erstprüfung nach 6.2.1 — in den Fällen nach B.4.1 gelten die Abstände nach Tabelle B.3 nicht (B.4.2)
Neues Bauteil oder neue Konstruktionsmaterialiensofern kein Produkt derselben Familie
Erstprüfung · 6.2.1 Nr. 1
Neues oder geändertes Fertigungsverfahrendas eine der zu bewertenden Eigenschaften beeinflussen könnte
Erstprüfung · 6.2.1 Nr. 2
Umstellung auf eine höhere Ausführungsklasse
Erstprüfung · 6.2.1 Nr. 3
Neue Produktionsanlagen oder Veränderungen an wesentlichen Produktionsanlagen
Fall B.4.1 a)
Wechsel der verantwortlichen Schweißaufsicht
Fall B.4.1 b)
Neue Schweißprozesse, neue Basiswerkstoffe und damit verbundene WPQR
Fall B.4.1 c)
Neue wesentliche Produktionseinrichtungen
Fall B.4.1 d)
QuelleDIN EN 1090-1:2012-02, Abschnitt 6.2.1 und Anhang B.4.1/B.4.2
EN 1090-1

Nach jeder Inspektion der Zertifizierungsstelle geht nach Anhang B.5 ein Berichtsentwurf an die für die WPK benannte zuständige Person; der Hersteller kann dazu Stellung nehmen. Wer diese Person ist, sollte das Handbuch deshalb ausdrücklich benennen.

5. Von Word zur digitalen WPK: Schritt-für-Schritt

Die Digitalisierung des WPK-Handbuchs ermöglicht automatische Ablaufwarnungen, zentralen Zugriff für alle Beteiligten und schnelle Audit-Paketvorbereitung. Der Migrationspfad:

1. Bestandsaufnahme: Was liegt vor? (Word, PDF, Excel, Papier)
2. Dateneingabe: Schweißerzeugnisse, WPS, Materialnachweise einpflegen
3. Handbuch-Struktur digital abbilden: Abschnitte 6.3.1 bis 6.3.8 nach EN 1090-1
4. Ablaufdaten hinterlegen und Erinnerungen aktivieren
5. Compliance-Check: Ist alles vollständig nach Ausführungsklasse?
Der Weg vom Word-Handbuch zur digitalen WPK führt über fünf Schritte
Migrationspfad aus Abschnitt 5 des Beitrags „WPK-Handbuch: Aufbau und Inhalt“.
1
Bestandsaufnahme
Was liegt vor? Word, PDF, Excel, Papier
2
Dateneingabe
Schweißerzeugnisse, WPS, Materialnachweise einpflegen
3
Handbuch-Struktur
Abschnitte 6.3.1 bis 6.3.8 nach EN 1090-1 digital abbilden
4
Ablaufdaten
hinterlegen und Erinnerungen aktivieren
5
Compliance-Check
Ist alles vollständig nach Ausführungsklasse?
QuelleBeitrag „WPK-Handbuch: Aufbau und Inhalt“, Abschnitt 5 · Gliederung nach DIN EN 1090-1:2012-02, Abschnitte 6.3.1 bis 6.3.8
EN 1090-1

6. Wie AuditReady das WPK-Handbuch digitalisiert

AuditReady bildet alle Pflichtkapitel des WPK-Handbuchs als strukturierte Datenbank ab. Beim Import eines bestehenden Word-Handbuchs werden die relevanten Daten in das WPK-Cockpit übernommen. Ablaufdaten werden automatisch überwacht, Lücken werden in der Gap-Analyse angezeigt, und das komplette Audit-Paket kann per Klick generiert werden.

7. Vorlage oder eigenes Handbuch: was eine Vorlage leisten kann — und wo sie aufhört

Ein WPK-Handbuch beschreibt Ihren Betrieb — welche Verfahren Sie einsetzen, welches Personal Sie haben, für welche Ausführungsklasse Sie fertigen und wie Ihre Abläufe tatsächlich organisiert sind. Ein Dokument, das diese Angaben nicht kennt, kann deshalb kein fertiges Handbuch sein.

Was eine Vorlage sinnvoll vorstrukturiert

Nützlich ist eine Vorlage dort, wo die Gliederung feststeht: die Struktur entlang der Abschnitte 6.3.1 bis 6.3.8, die Formblätter für wiederkehrende Nachweise, die Übersichten für Personal, Ausrüstung und Dokumentenlenkung sowie die Verweisstruktur zwischen Handbuch und mitgeltenden Unterlagen. Was sie nicht liefern kann, sind die betriebsindividuellen Inhalte: Zuständigkeiten mit Namen, die eingesetzten Schweißverfahren mit den zugehörigen Verfahrensprüfungen, die Prüfplanung passend zur Ausführungsklasse und die Beschreibung Ihrer tatsächlichen Fertigungsabläufe.

Wer mit einer Struktur starten will, statt mit einem leeren Blatt: Die kostenlose Checkliste weiter unten auf dieser Seite führt die Punkte auf, die vor einem Audit im Handbuch stehen sollten — und eignet sich damit auch als Gliederungsraster für das eigene Dokument.

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Praktische PDF-Checkliste zum Abhaken — gegliedert nach den Pflichtbestandteilen der werkseigenen Produktionskontrolle nach EN 1090-1, EN 1090-2 und EN ISO 3834. Direkt vor dem nächsten Überwachungsaudit verwenden oder nach einem Mängelbescheid der notifizierten Stelle.

  • Zehn Kapitel der Checkliste — Ausführungsklasse, Schweißaufsicht (ISO 14731), WPS/WPQR, Schweißerqualifikation (ISO 9606-1), Werkstoffzeugnisse (EN 10204), Prüfmittel, Nahtbewertung (ISO 5817), Erstprüfung und laufende WPK, Leistungserklärung/CE, Überwachungsaudit
  • Querverweise zu EN 1090-2, EN ISO 3834 (Schmelzschweißen), ISO 14731 (Schweißkoordinator), ISO 9606-1 (Schweißerqualifikation), EN 10204 (Werkstoffzeugnisse), ISO 5817 (Bewertungsgruppen)
  • Checkliste in 2–3 Minuten abgehakt — ideal zur Vorbereitung auf das nächste Überwachungsaudit oder nach einem Mängelbescheid der notifizierten Stelle

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