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Grundlagen 10 Minuten Lesezeit

Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090 — einfach erklärt

Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ist das Herzstück jeder EN 1090-Zertifizierung. Dieser Leitfaden erklärt, was die WPK ist, welche Betriebe sie brauchen und was sie konkret umfasst.

1. Was ist die werkseigene Produktionskontrolle (WPK)?

Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ist ein betriebsinternes Qualitätsmanagementsystem, das vom Hersteller selbst eingerichtet, dokumentiert und dauerhaft aufrechterhalten wird. Sie stellt sicher, dass hergestellte Produkte den erklärten Leistungsmerkmalen entsprechen — und dass dieser Nachweis jederzeit nachvollziehbar ist.

Im Bereich des Metall- und Stahlbaus ist die WPK keine freiwillige Maßnahme, sondern gesetzliche Pflicht: Wer tragende Stahlbauteile CE-kennzeichnen will, muss ein funktionierendes WPK-System nachweisen — und dieses jährlich durch eine notifizierte Stelle überwachen lassen.

2. Rechtsgrundlage: EN 1090-1 und die Bauproduktenverordnung

Die WPK-Pflicht ergibt sich aus zwei Quellen:

  • DIN EN 1090-1 (harmonisierte europäische Norm): Legt in Abschnitt 6 die konkreten Anforderungen an das WPK-System fest — Dokumentationspflichten, Prüfanforderungen, Personalqualifikationen.
  • EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO, EU Nr. 305/2011): Verpflichtet Hersteller von Bauprodukten zur Leistungserklärung (DoP) und CE-Kennzeichnung. Die WPK ist Voraussetzung für das Konformitätsnachweisverfahren System 2+, das für tragende Stahlbauteile gilt.

Kurz: Die BauPVO verlangt die CE-Kennzeichnung, EN 1090-1 legt fest wie — und die WPK ist der operative Kern dieses Nachweises. Mehr zur Norm: DIN EN 1090-1 erklärt: WPK, CE-Kennzeichnung und Anforderungen.

3. Welche Betriebe brauchen eine WPK?

Die WPK-Pflicht trifft alle Hersteller von tragenden Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, die CE-kennzeichnen müssen. Typische Betriebe:

  • Schlossereien und Metallbaubetriebe mit Tragwerksaufgaben
  • Stahlbauunternehmen (Hallenkonstruktionen, Brücken, Masten, Türme)
  • Treppenbauer und Geländerhersteller, soweit die Konstruktion tragend ist
  • Fassadenbauer mit tragenden Aluminiumkonstruktionen (EN 1090-3)
  • Subunternehmer im Stahlbau, die Bauteile für Generalunternehmer fertigen

Entscheidend ist nicht die Betriebsgröße, sondern die Art der gefertigten Produkte: Sobald ein Bauteil eine tragende Funktion im Bauwerk übernimmt, greift die WPK-Pflicht — unabhängig davon, ob der Betrieb 3 oder 300 Mitarbeiter hat.

4. Bestandteile eines WPK-Systems nach EN 1090-1

EN 1090-1 Abschnitt 6 legt fest, was ein WPK-System mindestens enthalten muss. Die sechs Kernbestandteile:

1
Dokumentation der Fertigungsverfahren
Schweißanweisungen (WPS) nach ISO 15609-1 und Verfahrensprüfungen (WPQR) nach ISO 15614-1 für alle eingesetzten Schweißverfahren.
2
Personalqualifikationsnachweise
Nachweis eines qualifizierten Schweißkoordinators nach ISO 14731 sowie gültige Schweißerzeugnisse aller Schweißer nach ISO 9606-1.
3
Prüfplanung und ZfP-Dokumentation
Schriftlicher Prüfplan für zerstörungsfreie Prüfungen (Sichtprüfung, MT, UT, RT) sowie vollständige Prüfprotokolle je Auftrag.
4
Eingangskontrolle von Materialien
Prüfung und Archivierung von Werkstoffzeugnissen nach EN 10204 Typ 3.1 für alle tragenden Bauteile und Schweißzusätze.
5
Ausrüstungs- und Instandhaltungsnachweise
Kalibrierungsnachweise für Schweißanlagen und Messgeräte sowie Wartungsprotokolle gemäß den Intervallen des WPK-Systems.
6
Behandlung nicht konformer Produkte
Verfahren zur Erkennung, Dokumentation und Korrektur von Abweichungen — einschließlich Nacharbeit und Freigabe.

5. WPK vs. WPK-Handbuch vs. Überwachungsaudit — der Unterschied

Diese drei Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergebracht:

WPK (Werkseigene Produktionskontrolle)
Das Gesamtsystem — alle Prozesse, Dokumente, Prüfungen und Nachweise, die ein Betrieb intern betreibt, um die Konformität seiner Produkte sicherzustellen.
Das zentrale Dokumentationsdokument des WPK-Systems — es beschreibt schriftlich, wie das System im Betrieb funktioniert. Das Handbuch ist ein Teil der WPK, nicht dasselbe wie die WPK.
Die jährliche externe Prüfung durch die notifizierte Stelle. Das Audit bewertet, ob das WPK-System weiterhin den Anforderungen entspricht — es ist die Kontrolle von außen, nicht das System selbst.

Mehr dazu: DIN EN 1090-1 erklärt · WPK-Handbuch Leitfaden · Überwachungsaudit vorbereiten.

6. Wie AuditReady die WPK digitalisiert

Viele Betriebe führen ihr WPK-System noch mit Excel-Listen, Ordnern und E-Mails — was dazu führt, dass Fristen übersehen werden, Dokumente nicht auffindbar sind und die Vorbereitung auf das Überwachungsaudit Wochen dauert.

AuditReady bildet alle Pflichtbestandteile des WPK-Systems digital ab: Schweißerzeugnisse mit Ablaufdaten, WPS-Abdeckung, Materialnachweise, ZfP-Protokolle. Das WPK-Cockpit zeigt auf einen Blick, welche Anforderungen erfüllt sind — und wo Handlungsbedarf besteht. Das Audit-Paket wird auf Knopfdruck generiert.