Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090 — einfach erklärt
Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ist das Herzstück jeder EN 1090-Zertifizierung. Dieser Leitfaden erklärt, was die WPK ist, welche Betriebe sie brauchen und was sie konkret umfasst.
1. Was ist die werkseigene Produktionskontrolle (WPK)?
Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ist ein betriebsinternes Qualitätsmanagementsystem, das vom Hersteller selbst eingerichtet, dokumentiert und dauerhaft aufrechterhalten wird. Sie stellt sicher, dass hergestellte Produkte den erklärten Leistungsmerkmalen entsprechen — und dass dieser Nachweis jederzeit nachvollziehbar ist.
Im Bereich des Metall- und Stahlbaus ist die WPK keine freiwillige Maßnahme, sondern gesetzliche Pflicht: Wer tragende Stahlbauteile CE-kennzeichnen will, muss ein funktionierendes WPK-System nachweisen — und dieses wiederkehrend durch eine notifizierte Stelle überwachen lassen (Abstände nach EN 1090-1 Tabelle B.3).
2. Rechtsgrundlage: EN 1090-1 und die Bauproduktenverordnung
Die WPK-Pflicht ergibt sich aus zwei Quellen:
- DIN EN 1090-1 (harmonisierte europäische Norm): Legt in Abschnitt 6 die konkreten Anforderungen an das WPK-System fest — Dokumentationspflichten, Prüfanforderungen, Personalqualifikationen.
- EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO, EU Nr. 305/2011): Verpflichtet Hersteller von Bauprodukten zur Leistungserklärung (DoP) und CE-Kennzeichnung. Die WPK ist Voraussetzung für das Konformitätsnachweisverfahren System 2+, das für tragende Stahlbauteile gilt.
Kurz: Die BauPVO verlangt die CE-Kennzeichnung, EN 1090-1 legt fest wie — und die WPK ist der operative Kern dieses Nachweises. Mehr zur Norm: DIN EN 1090-1 erklärt: WPK, CE-Kennzeichnung und Anforderungen.
3. Welche Betriebe brauchen eine WPK?
Die WPK-Pflicht trifft alle Hersteller von tragenden Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, die CE-kennzeichnen müssen. Typische Betriebe:
- Schlossereien und Metallbaubetriebe mit Tragwerksaufgaben
- Stahlbauunternehmen (Hallenkonstruktionen, Brücken, Masten, Türme)
- Treppenbauer und Geländerhersteller, soweit die Konstruktion tragend ist
- Fassadenbauer mit tragenden Aluminiumkonstruktionen (EN 1090-3)
- Subunternehmer im Stahlbau, die Bauteile für Generalunternehmer fertigen
Entscheidend ist nicht die Betriebsgröße, sondern die Art der gefertigten Produkte: Sobald ein Bauteil eine tragende Funktion im Bauwerk übernimmt, greift die WPK-Pflicht — unabhängig davon, ob der Betrieb 3 oder 300 Mitarbeiter hat.
4. Bestandteile eines WPK-Systems nach EN 1090-1
EN 1090-1 Abschnitt 6 legt fest, was ein WPK-System mindestens enthalten muss. Die sechs Kernbestandteile:
5. WPK vs. WPK-Handbuch vs. Überwachungsaudit — der Unterschied
Diese drei Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergebracht:
Mehr dazu: DIN EN 1090-1 erklärt · WPK-Handbuch Leitfaden · Überwachungsaudit vorbereiten.
6. Werkseigene Produktionskontrolle außerhalb der EN 1090
Die WPK ist kein Sonderbegriff des Stahlbaus. Die neue Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110, die die Verordnung (EU) Nr. 305/2011 schrittweise ablöst — für Produkte nach bestehenden harmonisierten Normen wie EN 1090-1 gelten deren Kernartikel übergangsweise weiter (Art. 95 Abs. 3 und 8; Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 305/2011 zum 8. Januar 2040 nach Art. 94) —, nennt die werkseigene Produktionskontrolle in Anhang IX unter den Schritten, die der Hersteller selbst durchführt. Auch das nationale Bauordnungsrecht kennt sie: Nach der Musterbauordnung setzt ein Übereinstimmungszertifikat für ein Bauprodukt eine werkseigene Produktionskontrolle sowie eine Fremdüberwachung voraus. Und im Ingenieurbau verlangen die Technischen Lieferbedingungen und Prüfvorschriften der BASt (TL/TP-ING) für einzelne Produkte, etwa Fahrbahnübergänge, ebenfalls eine WPK mit Fremdüberwachung.
Das Grundmuster ist überall dasselbe wie in DIN EN 1090-1: Der Hersteller richtet die WPK ein, dokumentiert sie und hält sie aufrecht (Abschnitt 6.3.1), eine externe Stelle prüft und überwacht sie (Tabelle ZA.3). Die konkreten Anforderungen stehen jedoch jeweils in der Norm oder Regel des eigenen Produktbereichs — eine WPK nach EN 1090 deckt ein Produkt außerhalb dieses Bereichs nicht ab.
7. Häufige Fragen
Was bedeutet WPK?
WPK steht für werkseigene Produktionskontrolle: das System, das der Hersteller einrichtet, dokumentiert und aufrechterhält, damit seine in Verkehr gebrachten Produkte die erklärten Leistungsmerkmale aufweisen (DIN EN 1090-1, Abschnitt 6.3.1). Dazu gehören schriftliche Verfahrensanweisungen, regelmäßige Kontrollen und Prüfungen sowie die Maßnahmen, die aus deren Ergebnissen folgen.
Was gehört zur WPK im Schweißbetrieb?
DIN EN 1090-1 erstreckt die WPK in Abschnitt 6.3.1 auf die verwendeten Konstruktionsmaterialien, die Betriebsausrüstung, den Produktionsprozess und die hergestellten Bauteile. Im Schweißbetrieb heißt das vor allem: Schweißanweisungen und Verfahrensprüfungen, eine benannte Schweißaufsicht, geprüfte Schweißer, Werkstoffnachweise mit Rückverfolgbarkeit, Prüfplanung und ein geregelter Umgang mit Abweichungen. Die sechs Bestandteile sind in Abschnitt 4 dieser Seite beschrieben.
Wer stellt das WPK-Zertifikat aus und wie lange gilt es?
Das Zertifikat über die Konformität der WPK stellt eine notifizierte Stelle aus. Nach DIN EN 1090-1, Tabelle ZA.3 führt sie die Erstinspektion des Werks und der WPK durch und überwacht die WPK anschließend laufend; die Abstände stehen in Tabelle B.3. Nach DVS-Merkblatt 1711 (08/2016, Abschnitt 3.5.2) ist das Zertifikat unbefristet gültig, solange sich die Bestimmungen der EN 1090-1 nicht ändern und sich die Bedingungen beim Hersteller nicht wesentlich geändert haben — das prüft die laufende Überwachung; die Zertifizierungsstelle kann das Zertifikat nach ihrem Ermessen aber auch befristen.
Was zwischen zwei Überwachungsterminen zu pflegen ist, zeigt der Beitrag WPK zwischen zwei Überwachungsaudits.
8. Wie AuditReady die WPK digitalisiert
Viele Betriebe führen ihr WPK-System noch mit Excel-Listen, Ordnern und E-Mails — was dazu führt, dass Fristen übersehen werden, Dokumente nicht auffindbar sind und die Vorbereitung auf das Überwachungsaudit Wochen dauert.
AuditReady bildet alle Pflichtbestandteile des WPK-Systems digital ab: Schweißerzeugnisse mit Ablaufdaten, WPS-Abdeckung, Materialnachweise, ZfP-Protokolle. Das WPK-Cockpit zeigt auf einen Blick, welche Anforderungen erfüllt sind — und wo Handlungsbedarf besteht. Das Audit-Paket wird auf Knopfdruck generiert.