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Audit & Compliance4 Min. Lesezeit2026-02-28

Das EN 1090-Überwachungsaudit — Die vollständige Checkliste

Wie bereitet man sich auf das jährliche EN 1090-Überwachungsaudit vor? Was prüft der Auditor wirklich? Die vollständige Checkliste für Metallbau-Betriebe.

Warum das Überwachungsaudit viele Metallbauer kalt erwischt

Das jährliche Überwachungsaudit kommt mit Ankündigung — und trifft viele Betriebe trotzdem unvorbereitet. Der Grund: Die EN 1090-Zertifizierung wird einmalig erworben, dann im Tagesgeschäft vergessen. Wenn der Termin der notifizierten Stelle im Kalender erscheint, beginnt die Hektik.

Dabei ist gute Vorbereitung keine Frage von Tagen, sondern von Systemen. Betriebe mit gepflegtem WPK-System schliessen das Audit ohne Mängel ab — und brauchen dafür keine wochenlange Sonderaktion.

Wer prüft? Die wichtigsten Zertifizierungsstellen in Deutschland

Das Überwachungsaudit wird von akkreditierten Zertifizierungsstellen (notifizierte Stellen) durchgeführt. In Deutschland sind das vor allem:

  • TÜV SÜD und TÜV Rheinland — bundesweit tätig, grosse Erfahrung im Metallbau
  • DNV (ehem. GL) — stark in der norddeutschen Stahlindustrie
  • SLV (Schweisslehranstalten) — anerkannte Stellen mit tiefem Schweiss-Fachwissen
  • Metall-Zert — Spezialist für Metallbau-KMU im Handwerk
  • ZDH-Zert — für handwerkliche Metallbau-Betriebe (Innungen)

Jede Stelle hat eigene Fragebögen und Schwerpunkte — aber alle prüfen dieselben Kernbereiche nach EN 1090-1.

Was prüft der Auditor? Die 8 Kernbereiche

1. WPK-Handbuch

Das WPK-Handbuch ist das erste, was ein Auditor anfordert. Er prüft:

  • Ist es vollständig nach EN 1090-1 Abschnitt 6 aufgebaut?
  • Wann wurde es zuletzt aktualisiert?
  • Sind alle Änderungen (Personal, Verfahren, Ausstattung) nachgeführt?

2. Schweisskoordinator

  • Ist eine qualifizierte Schweissaufsicht nach ISO 14731 dokumentiert?
  • Stimmt die Qualifikation mit der Ausführungsklasse überein (EWS für EXC2, IWE für EXC3)?
  • Ist der Schweisskoordinator beim Audit anwesend und ansprechbar?

3. Schweisserzeugnisse (ISO 9606-1)

Die häufigste Fehlerquelle: abgelaufene Schweisserzeugnisse. Der Auditor prüft für jeden Schweisser:

  • Liegt das aktuelle ISO 9606-1 Zeugnis vor?
  • Ist es noch gültig? (2 Jahre ab Ausstellung, verlängerbar)
  • Deckt es das Verfahren, Material und die Position ab, die der Schweisser aktuell einsetzt?

4. WPS-Abdeckung

  • Sind für alle eingesetzten Schweissverfahren aktuelle WPS vorhanden?
  • Basieren die WPS auf gültigen WPQR (Schweissverfahrensprüfungen)?
  • Decken WPQR die aktuell verwendeten Werkstoffgruppen und Positionen ab?

5. Materialnachweise

  • Sind EN 10204 Typ 3.1 Zeugnisse für alle tragenden Werkstoffe der letzten 12 Monate archiviert?
  • Sind sie auffindbar und einem Bauteil zuordbar?

6. ZfP-Dokumentation

  • Liegt eine aktuelle Prüfplanung vor (Umfang nach Ausführungsklasse)?
  • Sind die Prüfergebnisse der letzten Aufträge dokumentiert?
  • Bei ZfP durch externes Personal: Qualifikationsnachweise nach ISO 9712 vorhanden?

7. Ausrüstungsnachweise

  • Sind Schweissanlagen kalibriert und Kalibrierungsprotokolle vorhanden?
  • Werden Kalibrierungsintervalle eingehalten?

8. Änderungsprotokoll und Meldepflichten

  • Wurden wesentliche Änderungen (neuer Schweisskoordinator, neues Verfahren) dokumentiert?
  • Wurden meldepflichtige Änderungen der Zertifizierungsstelle gemeldet?

Die häufigsten Mangelbefunde bei Überwachungsaudits

Die Praxis zeigt immer wieder dieselben Schwachstellen:

  1. Abgelaufene Schweisserzeugnisse — der Klassiker. Passiert, wenn kein Tracking-System vorhanden ist.
  2. WPK-Handbuch nicht aktualisiert — besonders nach Personalwechsel oder neuen Verfahren.
  3. WPS-Lücken — neues Material oder Position eingeführt, aber keine WPQR-Deckung geprüft.
  4. Materialnachweise nicht auffindbar — gesammelt aber nicht strukturiert archiviert.
  5. ZfP-Dokumentation lückenhaft — Sichtprüfungsprotokolle fehlen oder sind unvollständig.
  6. Kalibrierung überfällig — Schweissanlagen nicht innerhalb des vorgeschriebenen Intervalls kalibriert.

4-Wochen-Checkliste: Schritt für Schritt zur Audit-Bereitschaft

4 Wochen vor dem Audit:

  • WPK-Handbuch vollständig durchlesen — ist alles aktuell?
  • Alle ISO 9606-1 Zeugnisse prüfen: Ablaufdaten kontrollieren
  • WPQR-Liste gegen aktuell verwendete Verfahren/Werkstoffe/Positionen abgleichen

3 Wochen vor dem Audit:

  • Materialnachweise-Archiv der letzten 12 Monate zusammenstellen
  • ZfP-Protokolle der letzten Aufträge zusammenführen
  • Kalibrierungsstatus aller Schweissanlagen prüfen

2 Wochen vor dem Audit:

  • Lücken aus Woche 3-4 schliessen
  • Audit-Paket zusammenstellen: Handbuch + Nachweise + Protokolle
  • Schweisskoordinator-Briefing: Was wird geprüft, wer ist Ansprechpartner?

1 Woche vor dem Audit:

  • Audit-Paket finalisieren
  • Räumlichkeiten vorbereiten (Besprechungsraum, Unterlagen bereitgelegt)
  • Nochmals alle Schweisserzeugnisse und deren Gültigkeit prüfen

Was passiert bei Mängeln — Nachaudit und Zertifikatsentzug

Mängel werden in zwei Kategorien eingeteilt:

Minor-Mängel (kleinere Abweichungen): Müssen innerhalb von 4-8 Wochen korrigiert und der Zertifizierungsstelle nachgewiesen werden. Kein Nachaudit erforderlich.

Major-Mängel (schwerwiegende Abweichungen): Erfordern ein Nachaudit — zusätzliche Kosten, zusätzlicher Aufwand. Typische Major-Mängel: fehlende Schweissaufsicht, grosse WPS-Lücken, mehrere abgelaufene Zeugnisse.

Zertifikatsentzug: Im extremen Fall — mehrere unkorrigierte Major-Mängel oder wiederholte Nachaudits — kann das Zertifikat ausgesetzt werden. Ohne gültiges EN 1090-Zertifikat ist CE-Kennzeichnung nicht möglich. Das bedeutet: keine tragenden Metallbauteile für den EU-Markt.

Wie digitale WPK-Systeme die Audit-Vorbereitung vereinfachen

Betriebe, die ihr WPK-System digital pflegen, haben einen entscheidenden Vorteil: Das Audit-Paket ist nicht das Ergebnis wochenlanger Vorbereitung — es ist jederzeit auf Knopfdruck verfügbar.

Automatische Ablaufwarnungen für Schweisserzeugnisse, laufender Compliance-Score und strukturierte Dokumentenarchivierung machen den Unterschied zwischen Stress und Routine.

Fazit und nächste Schritte

Das EN 1090-Überwachungsaudit ist kein Ereignis — es ist ein Spiegel Ihres laufenden WPK-Systems. Betriebe, die ihr WPK ganzjährig pflegen, erleben das Audit als formellen Abschluss einer kontinuierlichen Arbeit. Betriebe, die erst kurz vor dem Audit anfangen, stehen vor einem Berg Arbeit.

Die Lösung: Ein System, das die Pflege automatisiert. Ablaufwarnungen, Gap-Analyse und Audit-Paket-Generator — in einer Software.

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